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Interview: Katharina Stock über Fotografie, Konzertmomente, KI und echte Emotionen

  • Autorenbild: L7
    L7
  • 29. Mai
  • 6 Min. Lesezeit

Heute gibt’s ein Interview mit Katharina Stock, Fotografin, Model und AV-Medientechnikerin. Was mir an ihrer Arbeit sofort aufgefallen ist, war diese Verbindung aus Kreativität, Natürlichkeit und echtem Gefühl. Ihre Fotos haben eine stille Intensität, die nicht gestellt wirkt, sondern sehr nah und ehrlich.


Genau deshalb wollte ich mit ihr über Fotografie, Konzertmomente, echte Models, KI, Musik und die Frage sprechen, warum authentische Bilder in einer immer digitaleren Welt vielleicht sogar noch wichtiger werden.


Katharina Stock
Katharina Stock

Passend zu diesem Interview haben wir außerdem eine Spotify-Playlist zusammengestellt, die du beim Lesen nebenbei laufen lassen kannst:



1) Stil und dieses „natürlich kreative“ Gefühl


Niflheim Records:

Was mir an deinem Profil sofort aufgefallen ist, war diese besondere Mischung aus Kreativität und Natürlichkeit. Bilder mit so einer Stimmung wirken nie zufällig. Wie hat sich dieser Stil bei dir entwickelt, und worauf achtest du besonders, damit eine Session wirklich authentisch wirkt?


Katharina:

Ich finde, Bilder erzählen immer Geschichten. Sowohl in Fotos als auch in Gemälden. Ein Bild ist immer etwas Besonderes, wenn man damit eine Bindung aufbauen kann. Dies geschieht über Emotionen. Wir empfinden ein Bild immer als schön oder ansprechend, wenn es etwas bei uns auslöst. Das geschieht meistens ganz unterbewusst. Und das ist mir sehr wichtig.


Klar, dazu gehört dann nicht nur der Bildinhalt, sondern da spielen mehrere Gestaltungsfaktoren eine Rolle: Bildaufbau, Bildgestaltung, Komposition, Farbgebung. Das klingt jetzt alles wie im Kunstunterricht, aber genauso ist es auch in der Fotografie. Bilder sind Bilder.


Daher ist es für mich auch wichtig, dass die abgebildete Person, das Model, eine gewisse Ausstrahlung ausüben kann. Viele denken beim Thema Model, es reicht einfach nur gut auszusehen und bestimmte Größen zu haben. Das kann für manche Modelle oder auch für manche Fotoprojekte reichen, aber ich bin der Meinung, dass es bei einem professionellen Model auf mehr ankommt.


Ich vergleiche das Ganze immer mit Schauspiel. Es ist die Kunst, sich in Rollen hineinversetzen zu können und diese mit gewünschten Emotionen verkörpern zu können. Denn egal wie schön die Person auf einem Bild ist, lebt das Bild davon, was Augen und Gesicht ausdrücken können.


Katharina Stock - Photographer, model and AV media technician
Katharina Stock - Photographer, model and AV media technician

2) Authentische Momente vor der Kamera


Niflheim Records:

Nicht jeder steht jede Woche auf einer Bühne oder vor einer Kamera. Gerade deshalb können Anspannung, Unsicherheit oder die Frage „Was soll ich jetzt machen?“ schnell entstehen. Wie gehst du damit um, damit Menschen vor deiner Kamera möglichst natürlich bleiben?


Katharina:

Nicht jeder steht jede Woche auf einer Bühne oder vor einer Kamera und kann da auch etwas nervös werden. Oft werde ich dann auch gefragt: „Was soll ich denn machen?“ Nur weil eine Kamera im Raum ist, muss man sich nicht anders verhalten. Die schönsten Fotos sind die authentischen Zufallsmomente.


Um diese Bedenken oder Ängste zu minimieren, soll mich der Künstler eigentlich gar nicht bemerken oder beachten. Er soll sich ganz auf seinen „Job“ konzentrieren.


Das Schönste an der Arbeit ist, dass jeder Profi in seinem Ding ist und niemandem reinredet, und am Ende gute Ergebnisse herauskommen. Der Künstler performt auf der Bühne vor der Kamera, und ich hinter der Kamera. Ich sorge dafür, dass er gut abgelichtet wird.


Klar, es ist cool, wenn der Künstler mir ein paar Sekunden seine Aufmerksamkeit schenkt und in die Kamera singt oder spielt. Aber das erwarte ich nicht. Im Endeffekt soll er sich wohlfühlen und seine Show abziehen, und um den Rest kümmere ich mich. That’s my job!


Katharina Stock - Photographer, model and AV media technician
Katharina Stock - Photographer, model and AV media technician

3) Konzertfotografie: Timing, Licht und Bewegung


Niflheim Records:

Live-Konzertfotografie ist eine ganz eigene Welt, unberechenbares Licht, permanente Bewegung, keine zweite Chance. Was fasziniert dich an diesem Bereich am meisten, und was ist für dich die größte Herausforderung, wenn aus diesem Moment ein starkes Bild werden soll?


Katharina:

Also Chaos gibt es da keines. Mich haben Events und Konzerte schon lange fasziniert. Dies war damals dann auch der ausschlaggebende Grund, weshalb ich Eventmanagement und Eventtechnik studiert habe. Ursprünglich mit dem Gedanken, Events später selbst zu organisieren, aber während des Studiums begeisterte mich die Technik dann doch mehr.


Daher habe ich als Eventfotografin nicht nur ein Verständnis für meinen Bereich, sondern auch dafür, was die Gewerke Licht, Ton, Rigging, Management, Sicherheit und alle anderen so machen. Vielleicht wirkt es daher für mich nicht als Chaos.


Ich mag einfach diese Welt, in der man sich dann für Projekte mit anderen Menschen befindet. Immer unterschiedliche Projekte, neue oder auch bereits bekannte Gesichter.



4) Fan-Perspektive und das Erkennen von Momenten


Niflheim Records:

Wenn man Live-Musik nicht nur dokumentiert, sondern selbst liebt, sieht man Konzerte oft anders. Hilft dir diese Fan-Perspektive dabei, bestimmte Momente vorauszuahnen, also den Sekundenbruchteil zu erkennen, in dem genau das Bild entsteht, das bleibt?


Katharina:

Von einer Fan-Perspektive musste ich mich relativ schnell verabschieden. Das passierte ganz schleichend während des Studiums. Da steht man dann auf einmal auf einem Konzert und hat Probleme, sich auf die Band einzulassen, weil ich auf einmal die ganze Zeit ins Rigg schaue.


Ich fange dann an, meinem Mann, der ja das Konzert schauen mag, zu sagen: „Schau mal, wie die das gemacht haben“, „Was haben die sich denn dabei gedacht?“, „Diese Art von Technik nennt man so und so“, „Ich hätte das anders gemacht“.


Seitdem ich mich aber auch auf die Fotografie spezialisiert habe, hat das innere Bedürfnis etwas nachgelassen, dass ich jeden Scheinwerfer, jede Lautsprecherbox und jede Technik kommentieren muss.


Aber eine Fan-Perspektive habe ich daher nicht. Was ich jedoch bei Konzerten mache, ist, dass ich mich über die Konzertinhalte informiere, was grob wann passiert und ob es Spezialeffekte gibt. Wenn ich auf Tour bin oder das Programm der Band kenne, weiß ich natürlich schon, was wann passieren wird und platziere mich entsprechend.


DAS FEST 2025 - Picture by Katharina Stock
DAS FEST 2025 - Picture by Katharina Stock

5) Musik im eigenen Leben


Niflheim Records:

Welche Rolle spielt Musik für dich persönlich, gerade in stressigen oder lauten Phasen? Ist sie eher Rückzugsort, Energiequelle, Fokus, Ventil, oder vielleicht alles gleichzeitig?


Katharina:

Gute Frage! Ich höre in meiner Freizeit weniger Musik als früher. Klar, auf Konzerten, zu denen ich privat gehe, höre ich Musik. Aber ich lege zu Hause keine Platten auf.

Was ich stattdessen konsumiere, sind Hörbücher. Die höre ich immer bei der Autofahrt oder beim täglichen Training.



6) KI und echte Bildsprache


Niflheim Records:

In einer Zeit, in der Bilder immer schneller produziert, perfektioniert und durch KI generiert werden können, stellt sich die Frage nach dem Wert des Echten neu. Warum bleiben für dich reale Models, reale Fotografen und echte zwischenmenschliche Arbeit trotzdem unersetzbar? Und wo kann KI aus deiner Sicht sinnvoll unterstützen, ohne diese menschliche Ebene zu verdrängen?


Katharina:

Sinnvoll finde ich den Einsatz von KI für unterstützende Mechanismen. Zum Beispiel um Moodboards zu erstellen, damit Gedanken und Ideen für das Gegenüber verständlich dargestellt werden können. Klar, das hat man auch vor der KI schon machen können, aber dafür ist es ein unterstützendes Tool.


Auch bei der Postproduktion finde ich KI hilfreich, wenn es um Retusche geht.


Aber in der Fotografie, vor allem in der Eventfotografie, bekommt Fotografie im KI-Zeitalter immer mehr Wichtigkeit. Sie stellt keine generischen Momente dar, sondern echte Menschen, echte Emotionen, echte Erinnerungen. Menschen wollen sehen, was stattgefunden hat und was passiert ist.


Events, Veranstaltungen, Feiern, Konzerte, Hochzeiten, alles ist echt und kann von generierten Bildern nicht dokumentiert werden. Echte Fotos dokumentieren nicht nur das Geschehene, sondern transportieren Emotionen und schaffen Vertrauen. Für Öffentlichkeitsarbeit, Branding und Eventkommunikation bleibt diese Glaubwürdigkeit ein entscheidender Faktor.


Zu dem Thema fällt mir immer eine Geschichte ein. Ich habe vor ein paar Monaten eine E-Mail von einem potentiellen Kunden bekommen:


„Wir haben uns entschieden, aktuell keine Fotos zu beauftragen. Wir werden KI-generierte Inhalte testen. Wir sehen das kritisch, können uns aber der Entwicklung nicht verschließen.“


Diese E-Mail stammte von einer Eventfirma. So! Das stelle ich jetzt erstmal einfach so in den Raum. Nach dem, was ich bereits dazu gesagt habe, kann sich hier jeder seine eigene Meinung dazu bilden.


Die Eventfotografie und auch die gesamte Eventbranche bekommt durch KI wenige Probleme. Die größten Probleme sind hier viel mehr die Politik und die damit einhergehende Geldverteilung und ausbleibende Förderungen.


Ich sage zu dem Thema immer wieder gern: Während Corona hat die ganze Branche extrem gelitten und musste um ihr Überleben kämpfen. Davon waren Locations, Musiker, Künstler, Events, der komplette Kunst- und Kulturbereich betroffen. Ja, auch die Gastro, keine Frage.


Viele haben diese Zeit nicht überlebt. Aber nachdem die Pandemie vorbei war, war jeder Mensch ausgehungert und gierig danach, wieder zu leben, mit Musik und Kunst. Jetzt, nachdem sich die Branche einigermaßen erholt zu haben scheint, werden in den aktuellen Krisensituationen Sparmaßnahmen und Sparpläne von der Politik in den Städten erstellt, die genau diese Branche wieder treffen.


So nach dem Motto: „Darauf kann man ja am ehesten wieder verzichten.“

In dieser Hinsicht muss sich etwas ändern!



7) Traum-Session ohne Grenzen


Niflheim Records:

Wenn du ein Shooting völlig frei entwickeln könntest, ohne Budget-, Zeit- oder Ortsgrenzen: Wie würde dieses Projekt aussehen? Welche Atmosphäre, welches Setting, welche Geschichte würdest du erzählen wollen?


Katharina:

Irgendwas zum Thema Wiedervereinigung und Mauerfall. Bewegende Momente mit echten Emotionen: Kraft, Freude, Widerstand, rebellisch, Tränen vor Glück.


Das kommt wahrscheinlich daher, dass ich als Jugendliche viele, viele Bücher zur deutschen Geschichte gelesen habe. Also Romane basierend auf echten Geschichten, teils mit fiktiven Handlungen. Das hat mich damals alles so interessiert, dass ich auch Geschichte als mündliches Abiturprüfungsfach gewählt hatte.


Follow Katharina Stock


Wenn du mehr von Katharinas Arbeiten sehen möchtest oder sie für Projekte kontaktieren willst, hier sind die besten Startpunkte:


Ein großes Dankeschön an Katharina für ihre Zeit und dafür, dass sie ihre Erfahrungen und Gedanken so offen geteilt hat. Ich schätze das wirklich, nicht nur als jemand, der Konzerte liebt, sondern auch als jemand, der den ganzen Craft hinter Fotografie, Events und echter Bildsprache spannend findet.


Katharina Stock - Photographer, model and AV media technician
Katharina Stock - Photographer, model and AV media technician

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